Schädlinge und Nützlinge

Wenn sich Blattlaus, Raupe und Co genüsslich in Rosenbeet und Birnbaum breit machen, kommt dem Hobbygärtner das
Grausen. Der Griff zu chemischen Präparaten liegt nahe, um die Plagegeister zügig wieder los zu werden. Wer seinen Garten
richtig gestaltet, kann jedoch mit etwas Geduld auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weitgehend oder ganz verzichten.
Wichtig ist, optimale Lebensbedingungen für so genannte Nützlinge zu schaffen, raten Experte. Sind genügend natürliche
Gegenspieler vorhanden, haben Schädlinge schlechte Überlebenschancen.
Als Faustregel gilt:
Je vielfältiger der Garten gestaltet ist, um so größer ist die Artenvielfalt und damit auch die Menge der Nützlinge, die sich
niederlässt. Viele dieser Arten benötigen im ausgewachsenen Stadium Blütennahrung. Für die nötige Vielschichtigkeit sollte
der Hobbygärtner mit heimischen Stauden, Sträuchern und Bäumen sorgen.
Exotische Züchtungen sind für die Nützlinge oft wertlos, da sie nicht die geeigneten Mundwerkzeuge haben, um aus ihren
Blüten Nahrung zu ziehen. Im Handel werden speziell für Insekten geeignete Blumenwiesen-Mischungen angeboten. Wichtig
ist, dass die Tiere bereits im Frühjahr ausreichend Nahrung für den so genannten Reifungsfraß finden. Erst dann können sie
sich kräftig vermehren.
Gute Blattlausräuber sind neben den Marienkäfern auch die Flor- und Schwebfliegen. Sie brauchen ein üppiges, ganzjähriges
Blütenangebot. Um möglichst vielen Tieren das Überwintern zu erleichtern, kann man etwa den Florfliegen spezielle
Überwinterungskästen anbieten. Diese werden von September bis November im Garten installiert, im Winter an einem
geschützten Ort gelagert und im April wieder im Garten aufgehängt. Marienkäfer schätzen Stein- und Holzhaufen, um den
Winter zu überstehen. Nicht verfugte Trockenmauern sind für sie ideal.
Brack-, Schlupf- und Erzwespen machen als Parasiten vor allem Jagd auf schädliche Wickler und Miniermotten. Auch hier
brauchen die ausgewachsenen Stadien Blütennahrung. Daher ist ein möglichst ganzjähriges Angebot von Blumen, vor allem
Dolden und Korbblütlern, wichtig. Wildbienen und Hummeln lassen sich besonders gern in Nischen nieder.
Tipp:
Alte Wurzeln und Baumstümpfe stehen lassen, und verlassene Mäusenester nicht sofort einebnen. Wildbienen können
Nisthölzer mit unterschiedlich großen Bohrungen angeboten werden.
Räuberische Wanzen (Gegenspieler von Blattläusen und Spinnmilben) wie Blind-, Sichel- und Blumenwanze schätzen Hecken.
Spinnen, die ebenfalls als sehr effektive Nützlinge gelten, brauchen ein Pflanzenangebot in unterschiedlichen Höhen, damit sie
ihre Netze weben können. Ein kurz gehaltener Golfrasen, mit vereinzelt stehenden Bäumen ist für sie uninteressant.
Zudem mögen sie Hohlräume als Winterquartier. Die kalte Jahreszeit überdauern sie gerne in einem mit Stroh gefüllten
Blumentopf.
Nützliche Wirbeltiere sind neben Vögeln auch Igel und Spitzmäuse. Höhlenbrütende Vögel, die besonders in der Brutzeit kräftig
Raupen und Käfer verfüttern, lassen sich mit Nistkästen gewinnen. Freibrüter schätzen Hecken und Bäume mit großen Kronen.
Für Igel und Spitzmaus werden Stein- und Totholzhaufen als Lockmittel empfohlen. Damit die Nützlinge auch wirklich den Weg
in den heimischen Garten finden wird gewarnt, zu vorschnell zur "chemischen Keule" zu greifen. Die schadet nicht nur den
Schädlingen, sondern tötet oft die Nützlinge gleich mit.
Der "Ohrwurm" ist natürlich kein Wurm, sondern ein Insekt, das sogar fliegen kann und Brutpflege betreibt. Jeder Gärtner sollte
sich freuen, wenn er reichlich von jenen Nützlingen in seinem Garten findet.
Ohrwürmer gehören nämlich zu den emsigsten Vertilgern von Schadinsekten, vor allem von Blattläusen. Deshalb sollten Sie die
Ohrwurm-Population in Ihrem Garten mit Ohrwurmhäuschen fördern.
Dies sind glockenförmige Gehäuse, die mit Holzwolle befüllt werden. Darin finden die Blattlausräuber tagsüber einen
Unterschlupf. Nachts gehen sie auf Blattlausjagd. Dabei vertilgt ein einziger Ohrwurm bis zu 120 Blattläuse und zahlreiche
andere Pflanzenschädlinge.